1. Was hat dazu geführt, dass Sie Pfarrer geworden sind?
Mein Großvater war Pfarrer in Sachsen. Dort habe ich einen wichtigen Teil meiner
Kindheit im Urlaub verbracht. Mein Patenonkel hat als Pfarrer in Leipzig die
Friedensgebete in der Nicolaikirche mitbegründet, die später zu den großen
Montagsdemonstrationen und dem Untergang der DDR führten. Es war unglaublich
spannend, in den 80er Jahren zu ihm als Jugendlicher über die Grenze zu fahren. Ich
habe dafür mein ganzes Taschengeld gespart. Außer meinem Vater üben noch zwei
andere Onkel und mein Bruder diesen Beruf aus. Was also sollte aus mir schon
werden? Und als die Entscheidung anstand, ist mir einfach nichts anderes eingefallen.
Ehrlich! Aber diese Menschen - jeder auf seine Art überzeugend - haben mir meinen
Entschluss leicht gemacht und ich hab es nie bereut. Heute bin ich mit Leib und Seele
Pfarrer. Außerdem habe ich mich als Jugendlicher in der evangelischen Jugend
engagiert und schon immer gerne in Kirchenchören mitgesungen.


2. Erzählen Sie uns noch ein wenig aus ihrem Leben?
Studiert habe ich in Erlangen und Heidelberg und dort auch sehr jung geheiratet. Drei
meiner vier Kinder (Jonathan *1986, Viktoria *1990, Cornelius *1991; Ricarda *1994)
kamen während des Studiums auf die Welt. Ich habe mich sehr intensiv um meine
Kinder gekümmert, weil mir mein Studium zu akademisch und zu abgehoben vorkam. In
Pegnitz (Vikariat und 3. und 2. Pfarrstelle) hat mich die Zusammenarbeit vor allem mit
zwei Dekanen sehr beflügelt und in mir die Liebe zu meinem Beruf geweckt. Sie waren
meine “Lehrer”. In dem reichen Pegnitzer Gemeindeleben war ich vor allem für die
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zuständig und konnte mich mit meiner Musik und
vielen kreativen Ideen vor allem in den Gottesdiensten einbringen.
Höhepunkte und Niederlagen liegen manchmal nahe beieinander. In dieser Zeit ging
meine Ehe in die Brüche. Obwohl meine (Ex-) Frau auch Pfarrerin ist, lagen unsere
(Lebens-) Vorstellungen zu weit auseinander. Sie ist heute Pfarrerin in Fürth. Mich hat
es als alleinerziehenden Vater mit vier Kindern auf eine halbe Stelle nach Bayreuth an
die Friedenskirche verschlagen. Zeit zum Verschnaufen und Kraft schöpfen. Im Jahr
2005 habe ich ein zweites Mal geheiratet. Meine Frau Lisbeth stammt aus einem
Bauernhof und versorgt die Familie mit Gemüse aus dem großen Geseeser Garten. Sie
arbeitet ehrenamtlich in der Kirchengemeinde mit (Frauenkreis, Kirchenchor,
Frauenbibelgesprächskreis, Kindergruppe, Weltgebetstag) und hat zwei Töchter: Linda
(*1985) und Sara (*1991).


3. Was machen Sie in ihrer Freizeit?
Ich liebe den Süden, die Sonne und das Meer und dort im Urlaub zu faulenzen. Ich liebe
ein Glas Wein, ein Buch, Musik zu machen und zu singen. Ich liebe es, durch die
fränkischen Wiesen und Wälder zu strolchen. Ich liebe meine Liebste, meine Kinder und
meine Kirche. Und irgendwie hat das alles auch mit meinem Beruf zu tun.


4. Mit welchen Begriffen füllen Sie Glauben?
In Gottes Augen ist jeder Mensch mit seinen verschlungenen Lebenswegen und in
seiner Begrenztheit durch Jesus Christus kostbar und wertvoll: das ist für mich das
Zentrum meines Glaubens, mein Evangelium. Gott richtet auf und begleitet uns auf
unserer Lebenswallfahrt seinen geöffneten Armen entgegen. Diese Botschaft halte ich
für lebensnotwendig und höchst aktuell in unserer heutigen Zeit. Sie ist entlastend,
befreiend, wohltuend. Alles weitere entfalte ich lieber in meinen Predigten. Glaube ist
schließlich mehr als einzelne Begriffe. Glaube geschieht im Hören und Tun, im
Gespräch, auf einem gemeinsamen Weg, in Beziehungen, im Teilen, im Gebet.


5. Wovon träumen Sie, wenn Sie an Kirche und Gesellschaft denken?
• Ich träume von Frieden in der Welt, zwischen den Religionen und Konfessionen
und in den Familien. Im Kleinen möchte meinen Beitrag dazu leisten, vermittelnd,
verbindend, schlichtend. So vieles verbindet die Menschen. Wie schön wäre es,
uns in unserer Verschiedenheit zu akzeptieren, unsere unterschiedlichen Wurzeln
zu achten und gemeinsam an Gottes Reich zu bauen.
• Ich träume von einer Welt, in der jeder genug hat, Bildung und Arbeit, Essen und
Wasser, Liebe und Menschenwürde.
• Ich träume von der ‘einen Erde’, die bewohnbar bleibt für meine Enkel.
• Ich träume von einer dienenden, helfenden Kirche, die eine Ausstrahlung besitzt,
begeistert, motiviert.
• Ich träume von einer Kirche, die für suchende Menschen offen ist, die Menschen
anspricht in ihrer Lebenswelt, in der sich Menschen wohlfühlen und angenommen
wissen.
• Ich träume von einer Kirche, die ein heiliger Ort ist, in der Gott wohnt und wo
Menschen zusammenkommen zum Danken und Feiern.


6. Was hat für Sie Priorität in Ihrer Arbeit als Pfarrer?
Ich bin kein Pfarrer mit einem fertigen Programm, der von Anfang an weiß, was richtig
und nötig ist und was gemacht wird. Eine Kirchengemeinde ist schließlich auch schon
ohne mich gut ausgekommen. Also werde ich immer zuerst zuhören und hinschauen
und mich erst dann einbringen mit meinen Ideen und Fähigkeiten. Priorität haben für
mich immer die Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebenserfahrungen und
Glaubenserfahrungen.


7. Was wünschen Sie sich in der Gemeinde? Was erwarten Sie von Mitarbeitern?
Ich freue mich an Offenheit und Neugierde und daran, gemeinsam als Volk Gottes
unterwegs zu sein in dieser Zeit und in dieser Welt. In Gesees gefällt mir, wie sehr sich
die Menschen mit ihrer besonderen Kirche identifizieren und dass von Pfarrer und
Kirche noch etwas erwartet wird. Ich wünsche mir Menschen, die gerne im Team
arbeiten, die sich mit ihren Ideen und ihrer Phantasie einbringen und die spüren, dass
sie selbst bereichert und beschenkt werden durch ihren Einsatz. Ich wünsche mir, dass
wir gemeinsam und jeder an seinem Platz, mit seinen Gaben, mit seinen (Glaubens-)
Wurzeln in Toleranz und mit einem weiten Herz Gott dienen, weil er selbst unser Diener
wurde in Jesus Christus.